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Schanollenfabel

De Schanollen te Stelbern

Plattdeutsch aus dem Sprachgebiet Hundem -Lenne
Kirchhundem - Lennestadt

Die Schanollen zu Stelborn

fast wörtliche Übersetzung
ins Hochdeutsche

1. Dät was te Stelbern domols schoin ;
Me bruchte gar nit vie-el te dauhn;
Me lagte lang siek op et Heu ,
Vame Arewen nit , vame Nixdaun meu .


Et kemen bie Nachte
Ganz heimlek un sachte
Schanollen te scklieken
un ieleg te kieken ,
Wat hie anen Saken
Fer Arewet te maken .
Un wann me iut diäm Berre kreop ,
Was nit me noideg enen Leop .

1.Das war zu Stelborn damals schön ;
Man brauchte gar nicht viel zu tun ;
Man legte lang sich auf das Heu ,
Vom Arbeiten nicht,vom Nichtstun meu .( müde)

Es kamen bei Nachte
Ganz heimlich und sachte
Schanollen zu schleichen
und eilig zu sehen ,
Was hier an Sachen
von Arbeit zu machen .
Und wenn man aus dem Bett gekrochen ,
War nicht mehr nötig zu bewegen die Knochen .



2. Schanollen fauerden dät Veuh ,
Se drachten in diän Stall dät Heu ,
Se brachten Emers voll Mielek deriut
Un siggeren se in de Näppe iut .
Et bruchte keun Deiern
De Butter te keiern .
Se keiernden richteg
Un druchten kräfteg
Se waskern se dichteg ,
Un was se dann reune ,
Dann stallten se schoine,
De Butter ime Napp
Ant richtege Enge in dät Schap .

2. Schanollen fütterten das Vieh ,
Sie trugen in den Stall das Heu ,
Sie brachten Eimer voll Milch heraus
Und siebten sie in die Näpfe aus .
Es brauchte kein Mädchen
Die Butter zu schlagen .
Sie schlugen richtig
Und drückten kräftig,
Sie wuschen sie tüchtig ,
Und war sie dann keimfrei,
dann brachten sie munter
die Butter im Napfe
An dem richtigen Platz im Schrank unter.


3. Tau der Sommertiedt des Muärens freoh ,
Dann bang me einfach los de Keuh
Un dreif se fer sie hiär seo wiet ,
Bit dät me do de Legge suiht .
Dann freten deu Keuh
Seo schoin bie der Legge
Stille hien un wier terigge
In de Wiese un ime Berege
Verwahrden deu Twerge
Getruilek jeden Dag dät Veuh
Un wändten neo derbie dät Heu .

3. Zu der Sommerszeit des Morgens früh ,
Dann band man einfach los die Küh
Und trieb sie vor sich her so weit,
Bis dass man vorn die Legge sah .
Dann fraßen die Kühe
So schön an der Legge
einfach vor und wieder zurück ,
In der Wiese und am Berge
Verwahrten die Zwerge
Zuverlässig jeden Tag das Vieh
Und wendeten noch dabei das Heu .


4. Oppem Felle wor siek eok wat drucht ,
de Mäggers lagten hingern Huft .
Se lagten de Siänen niäwenan
Un pecken keune Arewet an .
Dann hor me dät Hoggen
Et Müärens ime Doggen.
Et Feld do siek lichten,
De Garewen iärek richten .
Tau Ruiters in Heopen
Don Buisken fix leopen .
Un et was keun Menske do te seuhn ,
Oppen Beinen , grot un kleun .

4. Auf dem Felde wurde sich auch gedrückt ,
Die Schnitter lagerten hinterm Busch .
Sie legten die Sensen neben sich
Und packten keine Arbeit an .
Dann hörte man das Hauen (Sensensingen)
Am Morgen im Tauen .
Die Felder sich lichteten,
Die Garben sich richteten .
Zu Reitern haufenweise
Wurden Garben geschleppt ,
Obwohl kein Mensch zu sehen war,
der die Beine bewegte, weder ein großer noch ein kleiner .

5. Ime Schape, do was keunmol Neot .
De Schanollen bäcken eok et Breot .
Deu eine makere ierwerig Deig ,
Deu andere ungerdiästen kreig
De Akes un hoggte
Int Holt,wat nit dochte
Do et fien splieten
Un längelang rieten .
Deu andere har schuäwen
Alt Fuier in diän Uäwen .
Un woll de Peitzmann Fuier schlohn ,
Soh heu dät friske Breot alt oppem Briä stohn .


5. Im Küchenschrank war niemals Not.
Die Schanollen backten auch das Brot .
Der eine machte eifrig Teig ,
Der andere unterdessen packte(kriegen )
Die Axt und hackte
Ins Holz ,was nichts taugte,
Spaltete es fein
Und riss es längs ein.
Der andere hatte geschoben
Schon Feuer in den Ofen .
Und wollte der Peitzmann Feuer schlagen ,
Sah er das frische Brot schon auf dem Brett stehen

6. De Blagen dohn se eok versuärren .
Se guäleren se am freohen Muären
Der Memme iut tem Berre riut
un waskeren se ganz reseliut .
Se dohn se fix wingen
Un lechterstrack bingen ,
Un pumpesat stoppen
Un hingen viär kloppen
Un blitzeblank wisken,
De Lumpen wier ristern .
Un wann de Memme opstohn woll ,
Dät Blage alt nix me hewen woll .


6. Die Kinder konnten sie auch versorgen .
Sie holten sie am frühen Morgen
Der Mutter aus dem Bett heraus
und wuschen sie ganz resolut.
Sie legten ihnen schnell die Windeln an,
Wickelten sie dabei sehr stramm,
Fütterten sie satt,
Klopften sie auf den Rücken (Bäuerchen),
Wuschen sie blitzblank
Und reinigten die Windeln wieder.
Und wenn die Mutter aufstehen wollte,
Das Kind schon nichts mehr haben wollte .


7. De Schanollen wuähnern in em Schluät .
De Ingang was en Leggenluk .
En schworen Stein, deu stong derviär ,
Et konn keun Menske nit derdiär .
Doch hor me en Singen,
Un hor eok en Klingen
Van Glas un van Golle :
De Pracht der Schanolle.
En Geruch kam getuän,
Dert Luäk riut gefluägen ,
Seo seute was dät immermehr ,
Ase wann bie Schulten Hochtiedt wär .


7. Die Schanollen wohnten in einem Schloß ,
Der Eingang war ein Leggenloch .
Davor stand ein schwerer Stein,
Kein Mensch konnte dort hinein .
Doch hörte man ein Singen
Und hörte auch ein Klingen
von Glas und von Gold:
Den Schätzen der Schanollen.
Ein Geruch kam gezogen,
Durchs Loch heraus geflogen ,
Immer süßer wurde der,
So, als wenn beim Schulten Hochzeit wär!


8. Diän Stelbern deh dät guet gefallen
Un wollen dät geren seo behällen .
Seu hällen Rot un wollen mol seuhn ,
Schanollen fer en Leohn te meuen .
Seo gengen deu Stelber
Nohm Luäke dann selewer,
Schanollen te frogen,
Ob seu iärek wollen plogen
No Briuk un no Rechte
Fer Leohn ase Knechte.
Seu scheowen int Luäk en Heopen Gold
Un bangeren nit: ,,Ob seu wall welt ?"

8. Die Stelborner hatten daran großen Gefallen
Und wollten das gern so behalten .
Sie hielten Rat und hatten entschieden,
Schanollen gegen Lohn zu mieten.
So gingen die Stelborner
zu dem Loch dann selber ,
um die Schanollen zu fragen ,
Ob sie sich wollten plagen
------ ----- Nach Brauch und nach Recht ----------- Für Lohn als Knecht.
Sie schoben ins Loch einen Haufen Gold
Und fragten sich nicht:,, Ob sie woll wollen ?"

9. Schanollen te meuen fer Knechtesleohn !
Wiu konnen seu ne diän Schmoch andauhn !
En frie-en Geust deunt nit ase Knecht .
Ieh Stelber , dät bekiemmet auh schlecht !
Seo mot niu deu Stelber
Van Dage wier selewer ,
Vam freohen Muären
De Arewet besuären,
Mot stuäken un kuäken
Un schingen de Knuäken.
,,Weu dät nit gloiwen well , suih no !
De Schanollenliäker sind jetzt neo do !"

9. Schanollen zu mieten für Knechteslohn !
Wie konnten sie ihnen diese Schmach antun !
Ein freier Geist dient nicht als Knecht .
Ihr Stelborner , das bekam euch schlecht !
So müssen nun die Stelborner
Von demTage an wieder selber ,
Vom frühen Morgen an
Die Arbeit besorgen ,
Müssen stochen und kochen
Und schinden die Knochen .
,,Wer das nicht glauben will , sehe nach !
Die Schanollenlöcher sind jetzt noch da !

Plattdeutsch von: Egon Färber , Adolf Färber , Oberhundem -- 1996 von Elisabeth Kaiser , Selbecke
überarbeitet und zur Veröffentlichung freigegeben.



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